Pressestimmen

Der Kalif wurde mit Rosen beworfen

VON THOMAS SCHUBERT, 07.03.07, 07:15h

KERPEN-SINDORF. Wenn Roswitha „Anjuli“ Sieger und ihre Schülerinnen die Hüften schwingen, dann stehen Tanz und Kultur in enger Verbindung. Wie sich die Körper in prachtvollen, selbst geschneiderten Gewänder wiegen. Wie die glitzernden Ketten bei den lange einstudierten Bewegungen der Choreografie klirren - im Reich aus 1001 Nacht sähe es wohl kaum anders aus als in Sindorf bei der Premiere des Tanztheaters „Die Sprache der Hände“.

In der Vielfalt von authentischen Tänzen aus aller Herren Länder bleibt nur das verführerische Lächeln der Damen immer gleich, und stets aufs Neue versteht „Anjulis“ 55-köpfige Mannschaft das Publikum mit Kostümen, Bewegungen und exotischem Charme zu bezaubern.

Die Sprache der Hände

Aber Bauchtanz und Folklore sind nicht das einzige, was dieses Schauspiel an Reizen zu bieten hat. Sämtliche Szenen sind hier innerhalb der Geschichte an ein Grundthema geknüpft, das die Truppe in all seinen Möglichkeiten variiert.

Der findige Apfelsinendieb Habib (Hans Peter Sieger) soll auf Anweisung des Kalifen (Peter Thiemt) das Vergehen mit der Abtrennung seiner Hände büßen. Aber das wäre das Ende für sein allseits beliebtes Puppentheater. Und so fasst Großwesir El Sharif (Matthias Kurth) den weisen Entschluss, seinen strengen Herrscher eines Besseren zu belehren. Habib soll verschont werden.

Und was könnte El Sharif klügeres unternehmen, als seinem Regenten die Bedeutung von Händen in einer großen kulturellen Stoffsammlung aufzuzeigen?

Hände als Inbegriff der Heilkunst. Hände als Mittel der Zeichensprache. Hände als Werkzeuge des menschlichen Geistes. All diese vielen Exempel müssen den Kalifen einfach erweichen.

Und als er am Ende auch noch die Schönheit des Puppentheaters begreift und ihn die Zuschauer mit Rosen bewerfen, beschließt er, eine weniger brutale Strafe für Diebstahl einzuführen.

Einigen Zuschauern waren die unter den Sitzen versteckten Rosen zum Werfen übrigens zu schade. Wie Roswitha Sieger vermutet, zieren sie jetzt wohl das ein oder andere Wohnzimmer.

Kölnische Rundschau 07.03.2007

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